Elegant wie James Bond: Fliege binden – Step by Step

Ein schicker Abend steht an, aber du findest Krawatten langweilig? Vielleicht möchtest du lieber elegant wie James Bond sein! Wir haben für dich eine Anleitung, wie du dir selbst eine Fliege bindest.

Tipp: Nimm dazu am besten einen sogenannten Querbinder.

Zunächst musst du deinen Hemdkragen aufstellen. Lege die Fliege so um den Kragen, dass die rechte Seite länger herunterhängt, als die linke.

Nimm nun die rechte, längere Seite und lege sie quer über die linke. Den drübergelegten Teil führst du von hinten durch die Schlaufe, die um deinen Hals liegt. Nun sollte vorne an deinem Hals ein lockerer Knoten sein.

Wenn du dir den Knoten genau anschaust, liegt eine Seite oben und eine unten. Nimm die untere Seite und lege sie so, wie die Schleife später aussehen soll.  
Achtung:  Das Ende dieser Seite soll vorne liegen!

Nun nimmst du die herunterhängende Seite und legst sie von oben mittig über deine gefaltete Schleife. Zwischen deiner Schleife und dem drübergelegten Ende hat sich nun eine Schlaufe gebildet. Lege nun auch die drübergelegte Seite zu einer Schleife.

Mit zwei Fingern ziehst du das vorher drübergelegte Ende einmal übergeschlagen durch die Schlaufe hinter der Schleife. Zieh diesen Teil aber nicht komplett durch die Schlaufe!

Zum Schluss kannst du deine Fliege durch vorsichtiges Ziehen in Form bringen.
Fertig!

Wer ist eigentlich … Emil Bizer

Der Mann mit den stahlblauen Augen. Als Emil Bizer sein Selbstportrait malte, war er 40 Jahre alt und gerade auf dem aufstrebenden Ast der badischen Kunstszene. Selbstsicher stellte er sich frontal dar, mit tiefblauer Fliege und knallgelber Weste.

Eigentlich hätte Emil Kaufmann werden sollen. Seine Mutter gab ihn in eine kaufmännische Lehre bei einem Schmuck-Großunternehmen in Pforzheim, was ihm aber gar keinen Spaß machte. Sicherlich hatte er anderes im Kopf als zu arbeiten und wollte lieber seinem Hobby, dem Zeichnen und Malen, nachgehen.

Diesen Wunsch konnte er sich allerdings erst Jahre später erfüllen. Das Gute am Job jedoch war, dass Emil viel reisen durfte, zum Beispiel auf Messen nach Berlin und Leipzig. Dort wurde er auf viele Künstler aufmerksam, die Deutschland um 1900 veränderten. Er schmiss also den Beruf und es folgte eine Art Selbstfindungstrip: Er reiste für acht Monate nach Paris und blieb weitere sechs Monate in London. Wieder in Deutschland zogen er und seine Mutter nach Baden-Baden und hier begann seine Karriere: Er lernte malen und zeichnen an der Akademie in Karlsruhe, erlernte die Kunst des Holzschnittes, übte mit anderen jungen Künstlern und kam so schließlich mit der „Freien Vereinigung der Künstler“ in Berührung, durch die er auch Hans Thoma und Wilhelm Trübner kennenlernte. Der Beginn einer Karriere!

Sein Selbstbildnis ist also als eine Art Ansage zu verstehen: Ich bin bereit für die Kunstwelt! Von da an ging es rund. Es folgten Ausstellungen in der Schweiz, Frankreich und in ganz Baden. Auch in Berlin zeigte man seine Werke. Als die Nazis an die Macht kamen, war das künstlerische Leben schlagartig vorbei. Obwohl seine Kunst als „entartet“ galt, malte Emil Bizer weiter – zum Glück! Heute besitzt sogar das Metropolitan Museum of Modern Art in New York Einzelwerke. Nach dem Krieg wurde er noch mit 68 Jahren Kunstprofessor an der Kunstakademie in Freiburg. Emil Bizer starb 1957 in Badenweiler.

Die Frau aus dem Bild:

Für die angehende Designerin Jenny Nguyen war das Standesporträt der Alberta von Freydorf, gemalt von Johann Baptist Tuttiné im Jahr 1870, Anstoß für eine eigenwillige und bunte Kreation. Dabei hinterfragte sie die Inszenierung der adeligen jungen Dame, recherchierte ihre Geschichte und beschäftigte sich mit ihrer Person.

„Aus den Recherchen ergab sich das Bild einer vornehmen und gebildeten Frau. Sie war sogar Schriftstellerin. Ich hole sie aus ihrem Moment. Dem Moment, in dem sie sich inszeniert. Sie erwacht aus ihrer Starre und streckt sich aus“, erläutert sie ihr Konzept.

Jenny Nguyen lässt Alberta von Freydorf ins 21. Jahrhundert mutieren: Raus aus dem Korsett der gesellschaftlichen Enge, die Gedanken werden frei. Ganz Schriftstellerin damals, wäre sie heute vielleicht eine Bloggerin. Besonders die bunten Farben der Kleider sind ein echter Hingucker.

Verschiedene Stoffe und Materialien in unterschiedlichen Farben machen das Outfit zu einem Hingucker.

Kontraste von strahlendem Gelb, tiefem Blau und knalligem Pink machen das Outfit spannend. Die kurze Hose wirkt leicht und bringt der Trägerin Bewegungsfreiheit. „Die Lust nach Entfaltung durchfließt ihre Sinne“, so die Designerin weiter. Das sieht man besonders schön an den bunten Fransenapplikationen auf dem Oberteil. „Die  Welt dieser Frau erstrahlt in neuen Farben“, und so tut es auch die Frau selbst! Von der Inszenierung zur Entfaltung ist es dank Jenny Nguyens Outfit nur ein Katzensprung!

Mehr Glamour bitte!

Um die eigene gesellschaftliche Stellung zu zeigen, ließen sich Personen von hohem Rang auf Gemälden inszenieren. Das war damals eigentlich gar nicht so anders als heute. Wir machen Selfies in neuen Outfits, präsentieren uns beim Workout oder lassen uns von Freund*innen in einer besonders vorteilhaften Pose ablichten und posten diese Bilder dann auf Instagram oder Facebook. Bevor jedoch die Fotografie Einzug hielt, ließ man sich malen. Das war kostspielig und meistens reicheren Leuten vorbehalten. Alberta von Freydorf, eine Adelige aus Karlsruhe, musste sich in jungen Jahren keine Gedanken um Geld machen (wieso, erfährst du hier im ersten Beitrag zu Alberta von Freydorf). Für uns ist es heute normal, sich auch in sportlicher Jogginghose oder sogar dem Pyjama für Bilder in Szene zu setzen. Um 1870 sah das aber noch ganz anders aus. Für die teuren, großen Standesporträts musste es schon ein ganz besonderes Outfit sein. Es musste also etwas Glamour her!

Alberta ließ sich deshalb in einem aufwändigen und ausladenden Kleid mit tiefem Dekolleté und freien Schultern darstellen. Ein hauchdünner Tüllschleier umgibt sie und die Bänder des blauen Halsbandes fallen wie zufällig über den fast freien Rücken und den Rock. Zufällig ist hier – wer hätte es gedacht – natürlich gar nichts! In Anlehnung an typische Herrscherbildnisse stellte sie sich vor einen roten Vorhang, der den Blick ins Weite freigibt. Neben ihr liegt im Dunkeln verborgen ein Fächer, der auf ihre Stellung bei Hofe hinweist. Eine zarte junge Frau in einem eleganten Abendkleid also, die sich standesgemäß glamourös inszenieren ließ.

„Das sieht nice aus, aber was daran stimmt nicht?“

Voluminöse, überlappende Formen und viel freie Haut – die Kreation der angehenden Designerin Sarah Finger zieht sofort Blicke auf sich. In ihrer Kollektion „What for …?“ überspitzt sie nicht nur Formen und Größen der Kleidungsstücke, sondern hinterfragt auch, was es bedeutet, sich selber zu inszenieren. Inspiriert hat sie dazu das Gemälde der Alberta von Freydorf von Johann Baptist Tuttiné.

Albertas Porträt erinnerte sie an die Instagram-Reisegeneration der heutigen Zeit: Jeder noch so kleine Moment wird präsentabel gemacht und auf einem Foto festgehalten. Alles wird inszeniert für die Show-Off-Community – denn für sie ist schließlich nur wahr, was andere von ihr denken. Aber während man für das nächste Instagram-Bild posiert, verpasst man das wahre Leben – so die Annehme: Orte bewusst wahrnehmen, sich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen und die Begegnung mit neuen Menschen. Zeit sich einmal selber zu fragen, wofür man das alles überhaupt mitmacht. Auch dafür steht der Name von Sarahs Kollektion: What for? Also frei übersetzt: Wozu überhaupt?

Detailaufnahme der Kreation von Sarah Finger.

Wer weiß, vielleicht hat sich auch Alberta gefragt, wozu sie sich so inszenieren lassen musste. Damals war ein Standesporträt aber etwas Besonderes, das man nicht ständig von sich machen ließ – anders als unsere Bilderflut heute. Sarahs Kollektion soll zum Nachdenken und Reflektieren über das „schöne Inszenieren“ anregen, sodass wir uns beim Betrachten ihrer Mode fragen: Das sieht nice aus, aber was daran stimmt nicht?

Mit Schere und Papier zum neuen Style

Heutzutage ist es völlig normal, dass Modetrends über Werbemodels in Video- oder Fotoformaten verbreitet werden. Vor allem in den letzten Jahren boomen ganz neue Berufe wie Modeinfluencer*innen auf Instagram oder anderen Social Media-Kanälen. Früher war das unvorstellbar.

Da es damals weniger Werbe-Möglichkeiten gab, mussten andere Wege gefunden werden, um die neusten Mode-Kreationen an den Mann und die Frau zu bringen. Die erste Form von Modewerbung waren Vorläufer der Paper Dolls, wie wir sie heute noch als Kinderspielzeug kennen. Diese Ausschneidebögen wurden im 18. Jahrhundert in Modejournale gedruckt und die modebewussten Frauen und Männer dieser Zeit haben sich dann tatsächlich die kleinen gezeichneten Kleidungsstücke ausgeschnitten und auf Papierfiguren aufgelegt, um sich die neusten Trends vorstellen zu können.

Als Werbemedium wurden die Paper Dolls recht schnell abgelöst, haben sich jedoch in anderer Form bis heute gehalten: Es gibt immer noch Ausschneidebögen, die ganz einfach heruntergeladen und ausgedruckt werden können, oder auch virtuelle Anziehpuppen, denen online ein neues Outfit verpasst werden kann – das aber eher als Spiel für Kinder.

Random Fact:  Paper Dolls wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu begehrten Sammlerobjekten, da besonders alte Exemplare durch die begrenzte Lebensdauer von Papier seltener werden.

Habt Ihr jetzt auch Lust bekommen in Kindheitserinnerungen an Barbie & Co. zu schwelgen?  – Am Samstag, den 4. Mai, von 14-16 Uhr in der Jungen Kunsthalle können eigene Paper Dolls gestylt werden.

Hallo, schöne Frau!

Alberta von Freydorf – Teil I

Auch wenn die dargestellte Frau an sie erinnert: Es ist nicht Sissi! Eine ViP ist sie aber dennoch, es handelt sich nämlich um Albertine von Freydorf. Als Johann Baptist Tuttiné sie 1870 malte, war sie 24 Jahre jung und bereits zweifache Mutter.

Alberta, wie sie genannt werden wollte, stammte ursprünglich aus einer Adelsfamilie in Hessen, kam aber schon mit fünf Jahren nach Karlsruhe. Und wie damals nun mal so üblich, wurde Alberta bereits im zarten Alter von 20 Jahren verheiratet – an den 27 Jahre älteren Rudolf von Freydorf.

Der war als badischer Minister und ebenfalls Adeliger, genau das, was man damals als „gute Partie“ bezeichnete. Durch diese Heirat gelangte Alberta in Karlsruher Künstlerkreise. Weil sie auch selber Gedichte und Geschichten schrieb, traf man sie häufig im literarisch-künstlerischen Salon ihrer Freundin und Schriftstellerin Josephine Scheffel in der Stephanienstraße 18 an.

Dort verkehrten auch Maler, zum Beispiel Moritz von Schwind, dessen großes Wandfresko noch heute im Treppenhaus der Kunsthalle Karlsruhe zu sehen ist. Vermutlich traf Alberta von Freydorf in diesem Salon auch auf den Maler Johann Baptist Tuttiné, der sie später malen sollte.

Johann Baptist Tuttiné: Alberta von Freydorf, 1870, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe.
Ursprünglich war das Gemälde heller und die Farben leuchtender. Mit der Zeit können Farben nachdunkeln.

Kauft Ihr noch oder upcycelt Ihr schon?

100 Milliarden Kleidunsgstücke wurden laut Greenpeace im Jahr 2014 produziert – Tendenz steigend. Welche verheerenden Auswirkungen das u.a. auf die Umwelt hat, ist inzwischen bekannt. Und trotzdem quellen bei den meisten von uns die Kleiderschränke über. Das wiederum hat keinen Einfluss auf das ständige Gefühl, nichts Passendes zum Anziehen zu haben – manche Kleidungsstücke hat man sogar schon vergessen, weil man den Überblick verloren hat. Schlimm!

Im April veranstalten wir deshalb einen „Upcycling-Workshop“ – ich bin jetzt schon gespannt, wie mein neues Outfit aussieht.

Upcycling – Recycling – Was ist eigentlich der Unterschied?

Beim Recycling werden bspw. alte, kaputte Jeans geschreddert und diese Stofffetzen weiterverarbeitet. Beim Upcycling wird aus einem eher minderwertigen Produkt ein neues, jetzt aufgewertetes Accessoire oder Kleidungsstück gefertigt. Z.B. aus einer LKW-Plane oder einer alten Schürze entstehen coole Taschen oder ungewöhnliche Top, die einzigartig sind und deshalb auch ein dementsprechend besonderes Tragegefühl vermitteln.

Gleichzeitig tun wir etwas Gutes für die Umwelt, nehmen unser Konsumverhalten bewusst wahr und schaffen es hoffentlich dies zu ändern.

Übrigens: Upcycling ist keine neue Erfindung. Jeder kennt diese tollen Figuren und Gegenstände, die aus weggeworfenem Blech und Kunststoff gebaut werden oder auch Schuhe, deren Sohlen aus alten Autoreifen gemacht werden.

In Notzeiten, wie nach dem Zweiten Weltkrieg, war man gezwungen kreativ zu werden: Damals entstanden die schönsten Kleidungsstücke beispielsweise aus alten Fallschirmen oder Mehlsäcken.

Kunst und Mode. Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle – Der Blog

Kunst und Mode begegnen uns täglich, wenn wir es auch nicht zwangsläufig bewusst wahrnehmen. Das fängt bei der Auswahl der eigenen Kleidung am Morgen an, geht über die Inhalte auf Instagram, die wir gefühlt ständig konsumieren, über den Schulunterricht, bis hin zu unseren Lieblings-Netflixserien, in denen Kunst und Mode immer auch irgendwie eine Rolle spielen. 

Die Ausstellung K&M – Kunst und Mode. Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle zeigt nicht nur, wie lange Mode auch in der Kunst schon ein Thema ist, sondern auch, wie aktuell die in der Kunst des 19. Jahrhunderts dargestellte Mode noch heute ist. Das verdeutlichen Mode-Studierende der Hochschule Pforzheim. Die haben anhand der Werke aus der Sammlung der Kunsthalle eigene Kleidungsstücke entworfen. Diese Kreationen werfen auch ein anderes Licht auf die Mode auf den Gemälden und verdeutlichen u.a. wie die damalige Art der Mode einschränkte.

Wir, die Ausstellungsmacherinnen von Kunst und Mode, wollen Euch durch den Blog mit hinter die Kulissen der Ausstellung in der Jungen Kunsthalle nehmen, Euch mit random facts unterhalten, Euch auf Themen rund um Kunst und Mode aufmerksam machen und Euch mit DIYs, Upcyclingideen und natürlich mit den modischen Kreationen der Mode-Studierenden der Hochschule Pforzheim inspirieren.

Hier erfahrt Ihr mehr über uns!

Wenn Euch unser Blog gefällt, dann kommt uns auch gerne in der Jungen Kunsthalle besuchen – der Eintritt ist frei!