„I tell my friends to be rougher with their wives“

Von Trump-Zitaten und Feminismus: Corinna Kolter reagiert mit ihrer Kollektion auf den fortwährenden Kampf von Frauen um Gleichberechtigung.

Die Malerin Marie Ellenrieder war eine Vorreiterin ihrer Zeit. 1813 war es ihr als erste Frau erlaubt, an der Kunstakademie in München zu studieren und Künstlerin zu werden. Damit ebnete sie den Weg für ganze Generationen von Frauen, die bis heute um Gleichberechtigung und Selbstbestimmung kämpfen. Das Gemälde Ellenrieders war Anstoß für die angehende Designerin, sich mit feministischer Kunst im 21. Jahrhundert und dem immer noch andauernden Sexismus in der Kunst auseinanderzusetzen. Ihre Kollektion richtet sich an junge Künstlerinnen, „die leidenschaftlich um ihr Recht und ein gleichberechtigtes Frauenbild kämpfen“, so Corinna Kolter.

In ihrem Outfit vermischt sie das Korsett als historische Vorlage und Inbegriff des Gefühls in Kleidung eingezwängt zu sein mit sexistischen Sprüchen aus dem aktuellen Zeitkontext. So zieren das feminine Spitzenoberteil schwarze Buchstaben, die den immer wiederkehrenden Satz „I tell my friends to be rougher with their wives“ bilden – ein Zitat von Donald Trump aus einem Interview im Jahr 1994. Was hat sich seither getan? Ist Sexismus noch immer salonfähig? Corinna Kolter konfrontiert uns durch diese Mischung aus plakativen Elementen und transparente Stoffschichten mit der Lebenswirklichkeit vieler Frauen von damals und heute.

Modekünstler*innen II

Charles Frederick Worth – Ein bisschen Selfpromotion schadet nie

Auch Prominente des 19. Jahrhunderts verstanden es bereits geschickt „self-promotion“ zu betreiben. Der Couturier Charles Frederick Worth jedenfalls baute sich ein ganz eigenes Image auf: Er präsentierte sich selbstbewusst als Künstler. Das geringe Ansehen der Schneider änderte Worth schnell, indem er seine Entwürfe mit seiner individuellen Persönlichkeit verband. Deshalb erfand er die sogenannte „griffe“, das erste Markenzeichen der Modegeschichte: Er stickte Etiketten mit seinem Namen in seine Kleider ein, die damit wie die Signatur eines Malers funktionierten.

Aber Worth ging bei seiner Selbstinszenierung noch einen Schritt weiter: Er begann sich sehr bizarr und völlig unzeitgemäß zu kleiden. Meist trug er ein loses Malerhemd mit Pelzmantel, eine für Künstler typische Schleifenkrawatte und ein längst aus der Mode gekommenes Samtbarett. In diesem „Outfit“ ähnelte er mehr und mehr dem berühmten Rembrandt, der sich auf vielen seiner Selbstportraits als Geschäftsmann mit kostbarem Gewand zeigt.

Mit dieser „Künstler-Uniform“ empfing er alle Gäste und rückte selbst bei Hofe nicht davon ab. Zu seinen Kundinnen zählte nämlich die Crème de la Crème des europäischen Adels: So tanzten zum Beispiel Kaiserin Eugénie, die Ehefrau Napoleons III., sowie Elisabeth „Sissi“ von Österreich in Worths Kleidern auf den Bällen.

© Bundesmobilienverwaltung, Sammlung: Bundesmobilienverwaltung
Objektstandort: Hofburg Wien, Sisi-Museum, Foto: Gerald Schedy

Diese wurden in Worths prachtvollen Roben von niemand geringerem als dem Maler Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verewigt. Auch wenn sich Winterhalter und Worth nie persönlich kennengelernt haben, teilten sie eine gegenseitige Bewunderung für einander und den Sinn für weibliche Schönheit. Winterhalter ließ Worths Kleider durch seine durchscheinenden Effekte glänzen und konnte seinen Protagonistinnen dadurch eine elegante, grazile Erscheinung verleihen – eine Win-Win-Situation für beide.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

Kleines Lexikon der Modebegriffe

Accessoires
modisches Zubehör zur Kleidung, zum Beispiel Hüte, Gürtel, Handschuhe, Fächer, Sonnen- oder Regenschirme, Taschen, Tücher und Schmuck.

Binder
Ursprünglich Langbinder, entstanden durch Halstücher im 17. Jahrhundert. Daraus entwickelten sich die Fliege und später die Krawatte.

Drapage
Von franz. drapé = Faltenwurf. Beim Drapieren werden Stoffe an einer Schneiderbüste festgesteckt. Durch verschiedene Techniken (Schneiden, Stecken, Verdrehen des Stoffes) werden so neue Kleidungsstücke entworfen.

Fliege
als Querschleife gebundene Krawatte

Keulenärmel
Auch Hammelkeulenärmel, am Oberarm weit, zum Handgelenk hin enger werdend (charakteristische Ärmelform während des Biedermeier)

Key Piece
Frei übersetzt „das besondere Teil“: Ein Kleidungsstück, das das ganze Outfit aufwertet und zum Hingucker macht. Das Key Piece wird von Träger*innen individuell bestimmt.

Korsett
Ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, das eng am Oberkörper anliegt und diesen der jeweils geltenden Modelinie entsprechend formen soll. Das Korsett veränderte im Verlauf der Jahrhunderte mehrmals Form und Zuschnitt; die Versteifungsmethoden wandelten sich mit dem Fortschritt der Technik. Frühe Korsetts schnürten die Trägerin oft so ein, dass sich die Organe verschoben. Durch die Formung mit dem Korsett entstand auch die bekannte Wespentaille.

Krawatte
Auch Schlips genannt, ist ein längliches Stück Stoff mit einem schmalen und einem breitem Ende, das um den Hals gelegt, mit einem Krawattenknoten gebunden und zu einem Hemd getragen wird. Die Krawatte entwickelte sich ursprünglich aus der Fliege („Krawattenschleife“). Sie wird in der Regel unter dem Hemdkragen getragen, wobei sie die Knopfleiste auf der Brust verdeckt. Krawatten können unterschiedlich gebunden werden.

Krinoline
Mit Rosshaar (franz. Crin) versteifter Unterrock, später mit Stahlreifengerüst

Kummerbund
Bauchbinde oder Schärpe, die zum Smoking getragen wird

Must Have
Von Trends vorgegebene Kleidungsstücke, die vom Modemarkt bestimmt werden. Der Name „Must Have“ suggeriert, dass man diese Kleidungsstücke besitzen muss, um modern zu wirken.

Schneppe
vorne spitze, mehr oder weniger tief in den Rock reichende Taille des Kleideroberteils

Reifrock
Durch Reifen aus Holz, Draht oder Fischbein in eine bestimmte Form gebrachter Unterrock. Heute hauptsächlich bei Brautmode.

Robe unie
Einfarbiges Kleid

Tournüre
Polster oder versteifter Halbrock

Taubenbrust
hoch aufgebauschtes Brusttuch, das mehr vortäuscht, als vorhanden ist (Rokoko), wird später durch Korsett mit starker Unterfütterung abgelöst

Wardrobe Essentials
Kleidungsstücke, die in keinem Kleiderschrank fehlen dürfen, die sogenannten Basics. Sie lassen sich mit vielen weiteren Kleidungsstücken zu neuen Looks zusammenstellen.

Wespentaille
Durch ein eng geschnalltes Korsett wird die Taille verschmälert, sodass der Körper in Sanduhrenform erscheint.

Wer ist eigentlich … das Mädchen von Albert Lang?

Gedanken einer Besucherin

Samt, Seide, Musselin, Damast, Tüll, Plissee – alles Stoffe, die ich in einer Truhe meiner Tante fand. Sie hat immer viel genäht und konnte das auch wirklich gut. Einige Kniffe hat sie mir beigebracht und nun dachte ich, dass ich aus diesen außergewöhnlichen Stoffen ein besonderes Kleid nähen möchte.

Gerade gestern habe ich das Bild /ein Porträt einer jungen Frau in der Ausstellung Kunst und Mode gesehen. Es hat mir total gut gefallen. Ein gewisser Albert Lang hat das Bild 1891 gemalt. Die Frau hat eine ganz besondere Ausstrahlung, nicht zuletzt wegen des Kleides, von dem man nur das Oberteil sieht. Es ist hochgeschlossen und schließt mit einem feinen Kragen knapp unter dem Kinn ab. Zunächst dachte ich – ein schwarzes Kleid- aber bei genauerem Hinschauen fiel mir auf, dass sich die einzelnen Stoffe, aus dem es gearbeitet ist, geringfügig in Farbton und Qualität unterscheiden und so eine besondere Wirkung erzielt wird.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen die Damen ja noch Mieder, um eine sogenannte Wespentaille vorweisen zu können. Der Eindruck stellt sich hier nicht unbedingt ein, da das Oberteil gefasst ist und eventuell durch einen Gürtel in der Taille Längsfalten bildet und deshalb nicht eng am Körper liegt.

Der größte Teil ist vermutlich aus Samt gearbeitet und wirkt fein, weich und angenehm zu tragen. Die Ärmel sind an der Schulter gebauscht und geben der jungen Frau eine aufrechte und stolze Haltung. Ob eine Art Polsterung unter dem Stoff eingearbeitet ist? Der Samtteil endet mit einem großzügigen Ausschnitt und wird von einem festeren Stoff fortgeführt. Ich habe den Eindruck, dass er gemustert ist. Herr Lang hat mit dem Pinsel Striche über die dunkelgraue Farbe gelegt. Könnte auch für Struktur sprechen. Das erzeugt eine gewisse Lebendigkeit. Den Abschluss bildet ein schmaler Kragen aus feiner, weicher Seide.
Was mache ich jetzt draus? Am besten wäre wohl, eine kleine Skizze anzufertigen.

Covered / uncovered

Zwischen Bodyshaping und Verschleierung: Stella Muriel Müller beschäftigt sich in ihrer Kollektion mit der Selbstbestimmung der Frau.

Auf dem Paarporträt von Marie Ellenrieder reitet eine feine Dame. Ihr voluminöses Kleid verbirgt ihre wahren Formen. Nur ihr Gesicht gibt uns einen Hinweis darauf, wer hier dargestellt ist.

Stella Muriel Müller vergleicht das Verschwinden der weiblichen Formen der Dame auf Ellenrieders Portraits mit anderen Formen der Verhüllung. In ihrer Kollektion gibt sie Raum zum Nachdenken über gesellschaftliche Konventionen durch die Jahrhunderte und über Veränderungen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Sind wir frei darin zu tragen, was wir wollen? Was tragen wir, um uns selbst auszudrücken?

Die Outfits ihrer Kollektion wirken mutig, fast schreien sie einen an – und das tun sie nahezu wirklich, denn weitaufgerissene Münder zieren die Hose in der Ausstellung. Knallige Neonfarben, zerschlissene Jeansstoffe und absichtlich unsaubere Nähte irritieren zunächst, machen aber auch den besonderen Reiz aus. „Die Mode der Frau ist ein Spiel. Sie macht Spaß. Und sie ist farbenfroh“, so die angehende Designerin.

In die Hosenbeine sind Reißverschlüsse eingelassen, die je nach Bedarf mal mehr und mal weniger Körperbetonung und Beinfreiheit zulassen. Die flügelartigen Ärmel sind an die Seiten der grünen Jacke angenäht, aber zu den Schultern hin offen. Indem sie historische Mieder als Vorlagen modifiziert oder auseinandernimmt, entwirft Stella Muriel Müller eine Variante einer „freien Verschleierung“, so dass in der vermeintlichen Enge – unabhängig davon, ob diese modisch, gesellschaftlich, kulturell oder auch religiös begründet ist – eine neue Freiheit entsteht.

Modekünstler*innen I

Foto: Ministère de la Culture (France), Médiathèque de l’architecture et du patrimoine, dist. RMN-GP

Charles Frederick Worth – Leidenschaft für die Kunst

Lange vor Karl Lagerfeld gab es schon im 19. Jahrhundert einen besonders selbstbewussten Modeschöpfer – einen Allmächtigen der Mode, wenn man so will: Charles Frederick Worth (1825-1895). Er gilt als der Vater der Haute Couture, der maßgeschneiderten und daher sehr luxuriösen Mode. Der Unterschied zu den bisherigen Kleidermacher*innen lag vor allem im Arbeitsprozess: Während die Schneider*innen vorher schlicht die Wünsche ihrer Auftraggeber*innen mit bereits ausgewählten Stoffen ausführten, wurde ein Kleid nun von einer einzigen Person entworfen UND produziert. Jetzt verband man Stil und Kreativität mit dem Modeschöpfer, nicht mehr nur mit der Trägerin des Kleides.

Bevor Worth nach Paris kam und dort in der Rue de la Paix ein Modehaus eröffnete, lebte der gebürtige Engländer in London. Dort verbrachte er seine Sonntage in der National Gallery, zeichnete die prachtvollen Gewänder auf den Gemälden der Alten Meister nach und prägte sich die Ornamente und Farben genau ein. Für seine eigenen Kleider verwendete er später nur die kostbarsten Materialien. Seine Vorliebe für italienische und niederländische Meister des 16. und 17. Jahrhunderts behielt er bei, als er 1845 in die französische Hauptstadt zog. Auch hier bestanden seine Sonntage aus Museumsbesuchen.

Wie viele Maler*innen der Romantik betonte auch Worth, er brauche die Inspiration, um seine Kleider zu erschaffen. 1877 beauftragte er die Seidenmanufaktur Tassinari & Chatel einen Stoff mit einem Augen-und-Ohren-Muster herzustellen. Dieses war vom berühmten Rainbow-Portrait Elizabeth I. inspiriert, die dieses Muster auf ihrem Mantel trägt. Was seltsam anmutet, war zur Zeit Elizabeths I. ein Symbol für Macht – alles sehen, alles hören!

Die Leidenschaft zur Kunst machte sich auch im Anwesen von Worth bemerkbar. Ähnlich wie einige erfolgreiche Maler*innen dieser Zeit stattete er sein Haus mit Antiquitäten aus und gestaltete es so zu einer Mischung aus Museum und Kunstkabinett. Da liegt es nur nahe, dass Worth auch seine eigenen Entwürfe zum Status eines Kunstwerks erhob, oder?

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

Wer sind eigentlich … Marie Ellenrieder und Rudolf Kuntz?

Wer malte den flotten Ausritt?

Rudolf Kuntz und Marie Ellenrieder haben das Gemälde gemeinsam 1832 gemalt. Kuntz hat sich hier die Pferde vorgenommen, Marie Ellenrieder malte dagegen beide Porträts, also die Personen. Die Dargestellten reiten auf dem sogenannten Karlsruher Feld, vor den Toren der Stadt. Im Hintergrund sieht man das Ettlinger Tor, das es heute allerdings nur noch als Haltestelle der Tram in der Karlstrasse gibt, und daneben den Turm der Stadtkirche.
Rudolph Kuntz, 1797 in Mannheim geboren, hatte bei seinem Vater, Carl Kuntz, einem badischen Hofmaler, gelernt. Er hat sich auf die Darstellung von Tieren, vor allem von Pferden, spezialisiert, was er dann auch so gut beherrschte, dass Großherzog Leopold von Baden ihn 1833 zum Hofmaler ernannte, und er später sogar als „Pferde-Kuntz“ in die Kunstgeschichte einging.

Marie Ellenrieder, 1791 in Konstanz geboren, war zunächst als Miniaturmalerin ausgebildet worden. Um 1800 war diese Kunst sehr beliebt und schien angehenden Kunstschaffenden wohlanzustehen. Dann aber setzte sich ein befreundeter Kunstkenner, der ihre Begabung erkannte, dafür ein, dass sie an der Münchner Kunstakademie aufgenommen wurde, was dann auch geschah. Damit war Marie Ellenrieder die erste Schülerin an einer staatlichen Malschule!

Nach ihrer Ausbildung unternahm die junge Künstlerin von 1822 bis 1824 die damals übliche Italienreise, um dort die Kunst der großen Italiener zu studieren und sich von ihr inspirieren zu lassen. Die selbst dem Religiösen zugeneigte Malerin war tief beeindruckt von ihren Vorbildern Raffael, Perugino und Fra Angelico.

Nach ihrer Rückkehr nach Konstanz wurde sie als Malerin schnell bekannt und erhielt zahlreiche Aufträge für religiöse Bilder, malte aber auch Porträts im engsten Freundes- und Auftraggeberkreis. 1829 wurde sie zur badischen Hofmalerin ernannt. Um für den Hof größere Arbeiten auszuführen, hielt sie sich zeitweise in Karlsruhe auf, wo sie im Hause der mit ihr befreundeten Frau von Hochfelden abstieg. Hier entstand auch das kleine Bild, das Georg Heinrich Krieg von Hochfelden und seine Frau beim Ausritt zeigt.

Mit Zylinder und Kleid hoch zu Ross

Marie Ellenrieder und Rudolf Kuntz Bildnis des Generals Krieg von Hochfelden und seiner Gemahlin, 1832

Georg Heinrich Krieg von Hochfelden (1798 Rastatt -1860 Baden-Baden) hieß genauso wie sein Vater, ein badisch-markgräflicher Hofrat. Er besuchte das Gymnasium, Lyzeum, wie man es damals nannte, in Rastatt. Danach trat er 1815 in den badischen Militärdienst. Im gleichen Jahr wurde er zum Leutnant der Artillerie ernannt. 1826 wurde er an die Seite des Großherzog Leopold von Baden berufen, wo er 1829 zum Hauptmann befördert und 1830 dessen Flügeladjutant wurde. Nach weiteren Beförderungen wurde er schließlich Militärbevollmächtigter des Landes im Frankfurter Bundestag.

Er interessierte sich für die Landesgeschichte, war Mitglied im badischen Altertumsverein und schrieb über die Schlösser in Baden und verfasste eine Geschichte der Grafen von Eberstein in Schwaben.

1830 heiratete er die verwitwete Maria Anna Elisabeth von Vincenti, geb. von Huetlin, deren Mann, August von Vincenti, ein großherzoglicher Hauptmann, bereits 1824 gestorben war. Anna war eine Freundin von Marie Ellenrieder, die dieses Porträt auch gemalt hat in der Zeit, als sie in Karlsruhe für den Hof Aufträge ausführte.

Das Ehepaar von Hochfelden lebte in Karlsruhe, später kurze Zeit in Heidelberg und dann in Baden-Baden.

Riding habit

Lederwülste und Volumen: Das Outfit von Isabelle Dingler ist die moderne Interpretation der Reitmode für Frauen im 19. Jahrhundert.

Der Ausgangspunkt für diese Kreation war das Gemälde „Bildnis des Generals Krieg von Hochfelden und seiner Gemahlin zu Pferde“ von Rudolf Kunzt und Marie Ellenrieder aus dem Jahr 1832. Für die angehende Designerin Isabelle Dingler geht es nicht nur um die Kleidung der Frau, sondern auch um ihre gesellschaftliche Rolle. Eingezwängt von Miedern und ellenlangen Röcken war es gar nicht so einfach, auf einem Pferd zu reiten, vor allem nicht im Damensitz!

Dass frau sich so zu verhalten hatte, war aber gesellschaftlich vorgeschrieben und auch vom Status abhängig. Zeit, die Frau aus dieser männerdominierten Gesellschaft zu befreien!
Hinter dem roten Rock aus Softshell-Material der Kreation von Isabelle Dingler verbirgt sich die historische Vorlage der sogenannten Riding habit: Hier wurde der Rock asymmetrisch geschnitten und in vielen Lagen übereinander geklappt, so dass frau auf ein Pferd steigen konnte und trotz mehrerer Meter Stoffbahnen genügend Bewegungsfreiheit hatte. Isabelle Dingler interpretiert diesen Rock neu, indem sie ein für Outdoorsportarten typisches Material wählt, sogenanntes Softshell.

Der historische Rockschnitt findet sich aber auch in der Lederjacke wieder: Durch Drapagen und Schichtungen wurde aus einem Rock ein Ärmel, den sie gekonnt zu einer stylishen rückenfreien Jacke umfunktioniert hat.

Außergewöhnlich sind an der Kreation auch die verwendeten Materialien. Aus dem festen Stoff und engsitzenden Schnitten der Frau auf Ellenrieders Gemälde leitet Isabelle Dingler dehnbares Jersey, robustes Leder und windabweisendes Softshell ab – perfekt für eine Outdoorsportart wie das Reiten! Und die Materialien unterstreichen obendrein noch den Wunsch nach Freiheit. Nicht nur in der Bewegung, sondern auch im Leben. Die Frau kann mit diesem Outfit die Zügel selbst in die Hand nehmen und bestimmt, wohin es geht: Raus aus den Konventionen und gesellschaftlichen Pflichten, rein in ein selbstbestimmtes Leben!

Bildnis des Generals Krieg von Hochfelden und seiner Gemahlin zu Pferde

Der General Krieg von Hochfelden und seine Gemahlin sind beide in modischer Reitkleidung dargestellt. Die Gräfin, die im damals üblichen Damensitz reitet, trägt ein in der Taille eng geschnittenes Kleid mit sogenannten Keulenärmeln. Auf ihrer über den Ohren gebauschten biedermeierlichen Frisur sitzt ein kleiner mit einem Schleier geschmückter Reitzylinder.

Der Graf trägt die nach der Französischen Revolution auch an den meisten Höfen eingeführten Pantalons, die die Kniehosen ablösten und die Vorläufer der heutigen Herrenhosen sind. Der uniformartige Leibrock ist vorne geschnürt. Auch die männlichen Überröcke waren eng tailliert und zeigten an der Schulter leicht erweiterte Ärmel. Der Zylinder gehörte im Biedermeier zur Tracht des Bürgers.

Das Ehepaar reitet im versammelten Galopp an den Betrachter*innen vorbei. Die Gruppe ist so arrangiert, dass sowohl die Pferde als auch die Reiter*innen zu erkennen sind. Vom theatralischen Darstellung, die bei klassischen Reiterporträts üblich war, ist nicht mehr viel zu sehen. Hier überwiegt eine sachliche Darstellung. Das kleine Format des Bildes zeigt, dass es sich nicht um den Typus eines Reiterbildes handelt, sondern um ein privates Porträt, frei von jeder repräsentativen Funktion.

Den Forderungen der traditionellen Reiterporträts, den Menschen in seiner Herrschaft über das Tier und damit als Sinnbild der Macht zu zeigen, kamen die beiden biedermeierlichen Künstler*innen – Ellenrieder und Kuntz – nicht mehr nach.