Der „Höhepunkt des Tiefpunkts“: So beschreibt Philipp Eyselein seinen Eindruck von Albert Langs Mädchenbildnis. Die dargestellte Frau verkörpert für ihn die Monotonie des Alltags, aus dem sie ausbrechen möchte. Um das darzustellen hat der Mode-Student Kleidungsstücke konzipiert, die am Anfang „gouvernantenhaft“, archaisch und streng wirken, die aber auf den zweiten Blick ihre Modernität und Freiheit enthüllen.

Das lässt sich an verschiedenen Details sehen: Während sich das Oberteil an Schnitt und Form der Kleidung des porträtierten Mädchens orientiert, kontrastiert die geschlitzte Hose den vermutlich bodenlangen und zu dieser Zeit üblichen schweren Rock. Gerade die Hose ist ein Kleidungsstück, das noch nicht all zu lange ein nicht mehr wegzudenkender Teil der Frauenmode ist.

Das Outfit von Philipp Eyselein gewährt Beinfreiheit durch Schlitze und elastische Netzstrumpfhose.

Der Beinschlitz sorgt nicht nur für eine freiere Bewegung, sondern gibt auch den Blick auf die Netzstumpfhose frei. Es ist eine kleine ironische Anspielung auf das „Angezogen sein“: Obwohl man bekleidet ist, ist die Strumpfhose alles andere als blickdicht.

Die Bluse hat der angehende Designer durch ein Gerüst an den Schultern verstärkt, so dass diese breit erscheinen und die Bluse ihre Form behält. Es gibt außerdem keinen engen Abschluss des Oberteils, wie es beim starren Oberteil des Mädchenbildnisses der Fall ist. Im Gegenteil – die Bluse flattert geradezu.

Philipp Eyselein erläutert seinen Weg vom Gemälde zum fertigen Outfit

In der Farbwahl beschränkte sich Philipp Eyselein auf Schwarz. Somit drückt er die immer gleichbleibende Routine aus, dennoch ist Schwarz nicht gleich Schwarz! Durch die Kombination unterschiedlicher Stoffe mit unterschiedlichen Oberflächen erreicht er feine Abstufungen und Nuancen in der auf den ersten Blick monotonen Farbigkeit.

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