Zwei Aspekte von Albert Langs Mädchenbildnis haben die Aufmerksamkeit der angehenden Designerin Maria Welter auf sich gezogen: das Buch in der Hand der Frau und die Komposition des Bildes. Darauf fokussierte sie sich, als sie ihre Outfits konzipierte.

Zunächst setzte sie sich mit der Symbolik des Buches auseinander. Was bedeutete es damals, sich mit einem Buch porträtieren zu lassen? Möglicherweise war die junge Frau belesen und wissbegierig. Oder hält sie vielleicht eine Bibel in der Hand und zeigt den Betrachtenden somit, dass sie gläubig ist und ein tugendhaftes Leben führt? Kleine Büchlein, Stickzeug oder Schmuck mit einem Kreuz waren im 19. Jahrhundert häufige Attribute für die tugendhafte Frau.

Für die Mode-Studentin stellte sich die Frage, welche Attribute es wohl heute wären und wie man die Dargestellte mit dem Buch aus heutiger Sicht beschreiben würde. Ihr Vorschlag: „Belesen, trainiert, diszipliniert, gepflegt, reiselustig, liebevoll, selbstbewusst, selbstreflektiert und ambitioniert“. All diese Aspekte ließ sie in die Überlegungen zu ihrer Kollektion einfließen. „Meine Persona ist eine Clanchefin, die in ihrem Freundeskreis die Mutterrolle spielt. Sie ist ein
Wegweiser für ihre Umgebung, die ihre Freund*innen, Familie und Bekannte durch schwierige Zeiten führt und viel Kraft und positive Energie ausstrahlt“, erklärt Maria.

Die Komposition des Gemäldes sowie die Haltung der jungen Frau erinnerten sie außerdem an die Tarotkarte „Die Herrscherin“. Mit selbstbewusstem Blick schauen sowohl die Herrscherin, als auch das Mädchen in die Ferne. Für ihre Kollektion ließ sie das Mädchenbildnis und die Tarotkarte verschmelzen. Das kann man zum Beispiel in den Farben des Outfits erkennen: Das Hellblau und das Gelb des Oberteils spiegeln den Wasserfall und das Weizenfeld im Hintergrund der Karte.

Outfit von Maria Welter

Das Outfit ist ein starker Look: Das samtene Jackett gebietet Macht, der feminine Rock entpuppt sich erst auf den zweiten Blick als eine Hose. Die horizontalen Raffungen der blauen Bluse nehmen die Raffungen im Oberteil der Dargestellten auf.

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