Hinter der Fassade des „braven“ Mädchens liegt ein eigener kleiner Kosmos: Beim Betrachten des Mädchenbildnisses von Albert Lang sah die angehende Designerin Julia Schulze zuerst eine gewisse Bravheit und angestrebte Perfektion der Dargestellten. Dann fielen ihr jedoch Details auf, wie die vom Knoten gelösten Haare am Nacken, die die Illusion von Perfektion brechen und die uns die verborgene Emotionalität dieser Figur zeigen. Von diesem scheinbaren Dualismus hat sich die Mode-Studentin für ihre Kleidungsstücke inspirieren lassen.

Den Kontrast von angenommener Selbstbeherrschung und verborgener Gefühlswelt stellt Julia Schulze sowohl durch die Materialauswahl, als auch durch verschiedene Handarbeitstechniken dar. Die leichten, transparenten Stoffe in weißen und rosa Nuancen symbolisieren die „öffentlich sichtbare und körperlos perfekte, angepasste Seite der Persona“, so die Modestudentin, während die ungleichen und unebenen gestrickten und gewebten Flächen „das verborgene emotionale, vielseitige Innenleben der Frau zeigen“.

Um diese Verborgenheit darzustellen, hat sie die Handarbeitsoberflächen teilweise in der Innenseite „versteckt“: Durch Druckknöpfe und Gummizüge können die bestrickten Parts nach oben geklappt werden, so dass eine voluminöse Jacke entsteht. Das Zarte liegt somit im Inneren. Eingearbeitete Rosenblüten stehen in ihrer Kollektion symbolisch für Zartheit und Schönheit, doch bleibt von ihrer Perfektion nicht viel, denn sie welkt sehr schnell.

Julia Schulzes Entwürfe vereinen die Vergangenheit und die Zukunft sowohl durch ihre Formen und ihre Materialen, als auch durch ihr Kollektionskonzept. Es vermittelt auf eine gleichsam offensichtliche und subtile Weise einen Zwiespalt der gesellschaftlichen Rolle der Frau.

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