Was mich an dem Bild fasziniert, ist der Fakt, dass wir heute seine ursprüngliche Intention, seinen Kontext nur erraten können“, so Ruben, „es hat sich die letzten 130 Jahre durch die Zeit bewegt, während es oberflächlich aufgrund seiner abbildenden, aufzeichnenden Natur gleich geblieben ist.“

Gemälde sind, wie Mode auch, ein Zeugnis ihrer Zeit. Betrachter*innen werden heute vielleicht andere Dinge auf ihnen entdecken und sie anders wahrnehmen und interpretieren als damals. Weil die Zeit niemals still steht, wird es immer eine gewisse Kluft geben zwischen den Realitäten damals und heute. „Wie sehr wir auch versuchen, den Ursprung des Mädchenbildnisses  von Albert Lang nachzuvollziehen, es bleibt immer ein Riss, ein Spalt der Verschiebung zwischen der Frau im Bild und der Frau, wie wir sie heute sehen“, erklärt Ruben.

Einblick in die Ausstellung: Nach dem Zerlegen zu einem neuen Ganzen

Der Ansatz seiner Kollektion konzentriert sich deshalb auf diese Verschiebung zwischen der scheinbar unvergänglichen,  abgebildeten Frau und der ständig wechselnden Realität der Zeit. Was bedeutet es, in der Zeit gefroren zu sein und wie zeigt sich dieser Zustand? Dazu wurden ausgewählte historische Kleidungsstücke umgearbeitet, zerlegt, neu zusammengesetzt und ihre Volumen verschoben. So entsteht ein Bruch zwischen der einstigen Form und dem neuen Outfit.

Detailansicht des Ärmels

Besonders interessant: Ruben experimentierte für die Kollektion mit verschiedenen Falttechniken und Oberflächen. Stoffe werden beispielsweise mit einem Firnis überzogen, gefaltet und gehärtet. Das Gegeneinander verschiedener Oberflächen verleiht dem Outfit einen vielseitigen Charakter –  wie dem Mädchen auf dem Bild.

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