Abbildung: © Virginia Museum of Fine Arts

Teamwork

Dass Akteur*innen aus Kunst und Mode sich gegenseitig unter die Arme greifen, zeigen schon Beispiele aus dem frühen 20. Jahrhundert: Da wäre zum Beispiel Paul Poiret (1849-1944), der übrigens schon vor Coco Chanel die Frauen aus dem Korsett befreite und sich Marketingmaßnahmen im großen Stil ausdachte. Während Designer*innen ihre Teile heute durch groß angelegte Fotoshootings oder TV-Spots in Umlauf bringen, hatte Poiret damals eher begrenzte Möglichkeiten. Werbung machen konnte er aber trotzdem! Der Modeschöpfer arbeitete mit bekannten Illustratoren zusammen, um exklusiven Kunden seine orientalisch anmutenden Entwürfe in farbigen Grafikmappen zu präsentieren. Künstler wie Paul Iribe oder George Lepape erdachten sich darin für die Models und Kleider passende Kulissen, ähnlich wie man es heute aus modernen Magazinen kennt. Von Künstlern wie Raoul Dufy ließ er außerdem bunte, geometrische Muster für seine Stoffe entwerfen.

Auch die Italienerin Elsa Schiaparelli (1890-1973), die – bekannt als wilde und schrille Persönlichkeit – zur größten Konkurrentin von Chanel werden sollte, kollaborierte mit Künstlern. Durch die Freundschaft zu Francis Picabias Frau verkehrte sie schon früh in Künstlerkreisen, machte Bekanntschaft mit Pablo Picasso, Jean Cocteau und Salvator Dalí und gehörte schnell selbst zur „Avantgarde-Elite“. Was sie verband, war das Experimentieren mit surrealistischen Motiven wie dem berühmten Hummer – nur eben auf verschiedenen Materialien. Mithilfe von Dalí und Cocteau überführte Schiaparelli illusionistische Effekte auf ihre Entwürfe. So entstanden außergewöhnliche Haute-Couture-Stücke wie ein Hut in Form eines Schuhs, eine Halskette aus Käfern oder ein Kleid mit Schubladen als Taschen.

Auch heute noch konzipieren große Modehäuser ihre Kollektionen gemeinsam mit zeitgenössischen, bekannten Künstler*innen, um in limitierten Editionen die Idee des Luxus zu demonstrieren. So entstehen Projekte wie die Arbeiten von Takashi Murakami für Louis Vuitton (2003) oder Tim Roeloffs‘ Fotomontagen auf Versace-Kleidern (2008). Solche Sonderkollektionen sind einerseits klar auf Profit ausgerichtet, in einem Nebeneffekt verschaffen sie andererseits einem breiten Publikum den Zugang zu moderner Kunst.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

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