Was steckt hinter deinem Design? Wie ist dein Interpretationsansatz?
Es ging für mich darum, dass die Frau im Gemälde in die heutige Zeit wandert und aus dem Rahmen springt. Das war der Ausgangspunkt für die Form der Kollektion, die Bewegung von der Frau die im Bild inszeniert ist und herausspringt.

Wie bist du zu zum Modestudium gekommen?
Bei mir war das Interesse an Mode schon immer da. Ich habe mich nach dem Abi informiert, wo man Mode studieren kann, bin am Infotag nach Pforzheim und habe mich anschließend mit Mappe beworben und wurde angenommen. Vorher habe ich ein Praktikum in der Kostümabteilung und im Fundus im Heidelberger Theater gemacht.

Weißt du schon, was nach dem Studium kommt?
Nach dem Studium? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Wahrscheinliche erstmal bei verschiedenen Labels bewerben. Ich denke nach dem Praxissemester, bei dem wir Einblicke in die Industrie bekommen, wird sich eher zeigen, wo es nach dem Bachelor hingehen wird. Aber es wäre schon cool, erstmal zu arbeiten, das Ganze kennenzulernen und eventuell,  wenn es irgendwie klappt, sich irgendwann selbstständig zu machen.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Outfit?
Zum Zeitaufwand: Es ist bei uns immer so, dass wir am Anfang unsere Konzepte und Moodboards erarbeiten müssen. Das läuft von Person zu Person anders. Manche gehen gleich zu 3D Entwürfen, manche machen erst einmal Mappings in 2D. Bei mir war es im 3. Semester so, dass ich immer mal wieder Prototypen mitgenommen habe und in 3D verbessert habe. Ich glaube es waren drei bis vier Wochen vor Abgabe, da standen schon die Outfits fest. Dann wurde diese in den Originalstoff umgewandelt und Kleinigkeiten verändert. Also je nachdem, ob du auch noch Materialmanipulation machst und die Stoffe veränderst, dauert das natürlich länger oder kürzer. Man kann nicht pauschal sagen, wie lange eine Kollektion dauert. Aber man kann sich sicher sein, dass wir von der erste Woche an Vollgas geben müssen. Das unterscheidet sich von anderen theorielastigen Studiengängen, bei denen man erst vor den Prüfungen Stress hat. Wir haben jede Woche Projektbesprechungen und Abgaben. Wir sind also eigentlich im Dauerstress.

Gibt es für dich ein Best/Worst am Modestudium?
Best: Einfach, dass man das machen kann, was man will. Ich glaube alle, die bei uns Mode studieren machen das, weil es ihre Leidenschaft ist und man so viele Freiheiten hat, da sehr viel Wert auf das Künstlerische gelegt wird. Es ist das, was uns Spaß macht und wo wir uns ausleben können.
Worst: Da es genau das ist, was ich machen will, sehe ich daran nichts Negatives. Auch wenn es stressig ist und ich Nächte durchmache, mache ich es trotzdem gerne. Man muss ja auch erstmal die Eignungsprüfung bestehen und die Leute, die dann bei uns studieren sind auch aus gutem Grund da und haben auch den nötigen Ehrgeiz und nehmen das in Kauf.

Hast du Tipps für am Modestudium Interessierte?
EINFACH MACHEN (wenn du bereit bist dein Leben aufzugeben :D) Die Priorität ist bei uns allen nicht, dass wir viel Geld mit Mode machen wollen.  Also keine großen Zweifel haben, auch wenn du nicht gut nähen kannst oder so. Und an die, die nicht wissen, ob sie das studieren wollen: Macht Praktika und geht zu Infotagen und redet am besten direkt mit Studierenden, dann bekommt man einen besseren Einblick.

Was ist deine Inspiration? Und hast du eine Modeikone?
Hab ich nicht. Vor dem Modestudium hatte man schon klischeehafte Modeikonen aber seit ich hier studiere merke ich, dass man sich nicht von anderen Designs beeinflussen lassen sollte, da du etwas Neues machen musst, um auch deinen eigenen Stil zu entwickeln. Inspirationen sind für mich meine eigenen Gedanken und Gefühle. Es ist einfach ein Lebensgefühl, das man ausdrücken möchte. Wir arbeiten ja auch mit Persona Boards und ich arbeite sehr stark mit dem Gefühl der Person, die ich entwerfe. Man kann sich von allem inspirieren lassen, man kann es mit allen Eindrücken so weit treiben, bis man eine Kollektion hat.

Warum hast du dich für dieses Werk entschieden?
Ich habe ja die Alberta von Freydorf gewählt.  Als wir zu euch zur ersten Besichtigung gegangen sind, war es das erste Gemälde, das ich gesehen habe und auch das größte. Ich hab mich eigentlich sehr spontan dafür entschieden, weil es mich interessiert hat, wer die Frau eigentlich ist, was für einen Beruf sie hat… Und wie schon gesagt spielt bei mir die Persona eine sehr große Rolle und deswegen habe ich sie in die Gegenwart umgewandelt. Vor allem weil sie alleine auf dem Bild ist und auch diese klassische Korsage und riesige Kleid anhat, da wollte ich einfach was Neues draus machen.

Wo kaufst du die Stoffe? Und wieso hast du diese Stoff-/Farbauswahl getroffen?
Ich bin jemand, der die Stoffe gerne im Laden kauft, da ich sie gerne anfassen und sie live sehen möchte. Online gibt es natürlich viel mehr Auswahl und man kann sich auch Proben zuschicken lassen, aber das ist für mich einfach nicht schnell genug. Ich brauche die Stoffe immer direkt, damit ich sofort weiter arbeiten kann.
Die Kollektion war ja ziemlich bunt und ich bin normalerweise jemand, die sehr neutrale Töne wählt. Im 2. Semester war es zum Beispiel viel beige und ruhige Töne, die sehr neutral sind. Ich hatte im 3. Semester, bei dem der Fokus auch auf Form und Extravaganz lag, einfach Lust auf eine bunte Kollektion, die mir Spaß macht und bei der man nicht sofort denkt: Ah, das ist Jennys Design.

Hattest du schon einmal eine „Krise“?
Ja schon öfter. Wir haben alle immer mal wieder Krisen, das gehört auch zum Stress mit dazu, weil man jede Woche abliefern muss. Und man kann auch nicht immer unter Druck kreativ sein. Ich glaube es liegt auch daran, dass wir neben der Kollektion noch viele andere Fächer haben und dann zum Beispiel noch Referate oder Fotografieprojekte parallel machen müssen.  Ich will dann auch nicht das Hauptprojekt vernachlässigen und das ist dann meistens die Krise. Aber wie unsere Professorin Frau Klose immer sagt: Wer ohne Krise studiert, studiert nicht richtig.

Was an deinem Outfit war am aufwändigsten?
Am aufwändigsten waren meine Ärmel, die man über die Jacke gezogen hat. Die waren aufwändig zu nähen aber an sich ist es das alles. Wenn ich darüber nachdenke, wofür ich am längsten gebraucht habe, war das wahrscheinlich die Jacke, da der gelbe „Badeanzugstoff“ unheimlich nervig zu verarbeiten war.

Was gefällt dir am besten an deiner Kollektion? Worauf bist du stolz?
Mir gefällt rückblickend im Vergleich zu den vorherigen Semestern, dass ich über die Form und Schnitttechnik mehr gelernt habe. Man ist nie komplett zufrieden, ich würde jetzt auch Dinge anders machen. Ich bin stolz darauf, dass ich die Farben verwendet habe und es funktioniert hat. Da hatte ich übrigens auch eine Krise bei der Farbzusammenstellung.
Auf die Rückenansicht der Kleider bin ich auch stolz. Man neigt oft dazu, darauf zu achten, dass das Outfit von vorne gut aussieht aber bei mir ist der Fokus teilweise eher hinten.

War es schwer, sich an „alten Bildern/altertümlicher Mode“ zu orientieren und diese in einen modernen Kontext zu setzen?
Nein, du kannst dich wie gesagt von allem inspirieren lassen.  Du darfst dich nur nicht zu sehr beeinflussen lassen. Man muss seinem Stil treu bleiben und nicht einfach eine Korsage machen, weil die Frau auf dem Bild eine trägt.

Dein Berufswunsch?
Modedesignerin.

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