Charles Frederick Worth – Ein bisschen Selfpromotion schadet nie

Auch Prominente des 19. Jahrhunderts verstanden es bereits geschickt „self-promotion“ zu betreiben. Der Couturier Charles Frederick Worth jedenfalls baute sich ein ganz eigenes Image auf: Er präsentierte sich selbstbewusst als Künstler. Das geringe Ansehen der Schneider änderte Worth schnell, indem er seine Entwürfe mit seiner individuellen Persönlichkeit verband. Deshalb erfand er die sogenannte „griffe“, das erste Markenzeichen der Modegeschichte: Er stickte Etiketten mit seinem Namen in seine Kleider ein, die damit wie die Signatur eines Malers funktionierten.

Aber Worth ging bei seiner Selbstinszenierung noch einen Schritt weiter: Er begann sich sehr bizarr und völlig unzeitgemäß zu kleiden. Meist trug er ein loses Malerhemd mit Pelzmantel, eine für Künstler typische Schleifenkrawatte und ein längst aus der Mode gekommenes Samtbarett. In diesem „Outfit“ ähnelte er mehr und mehr dem berühmten Rembrandt, der sich auf vielen seiner Selbstportraits als Geschäftsmann mit kostbarem Gewand zeigt.

Mit dieser „Künstler-Uniform“ empfing er alle Gäste und rückte selbst bei Hofe nicht davon ab. Zu seinen Kundinnen zählte nämlich die Crème de la Crème des europäischen Adels: So tanzten zum Beispiel Kaiserin Eugénie, die Ehefrau Napoleons III., sowie Elisabeth „Sissi“ von Österreich in Worths Kleidern auf den Bällen.

© Bundesmobilienverwaltung, Sammlung: Bundesmobilienverwaltung
Objektstandort: Hofburg Wien, Sisi-Museum, Foto: Gerald Schedy

Diese wurden in Worths prachtvollen Roben von niemand geringerem als dem Maler Franz Xaver Winterhalter (1805-1873) verewigt. Auch wenn sich Winterhalter und Worth nie persönlich kennengelernt haben, teilten sie eine gegenseitige Bewunderung für einander und den Sinn für weibliche Schönheit. Winterhalter ließ Worths Kleider durch seine durchscheinenden Effekte glänzen und konnte seinen Protagonistinnen dadurch eine elegante, grazile Erscheinung verleihen – eine Win-Win-Situation für beide.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

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