Zwischen Bodyshaping und Verschleierung: Stella Muriel Müller beschäftigt sich in ihrer Kollektion mit der Selbstbestimmung der Frau.

Auf dem Paarporträt von Marie Ellenrieder reitet eine feine Dame. Ihr voluminöses Kleid verbirgt ihre wahren Formen. Nur ihr Gesicht gibt uns einen Hinweis darauf, wer hier dargestellt ist.

Stella Muriel Müller vergleicht das Verschwinden der weiblichen Formen der Dame auf Ellenrieders Portraits mit anderen Formen der Verhüllung. In ihrer Kollektion gibt sie Raum zum Nachdenken über gesellschaftliche Konventionen durch die Jahrhunderte und über Veränderungen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Sind wir frei darin zu tragen, was wir wollen? Was tragen wir, um uns selbst auszudrücken?

Die Outfits ihrer Kollektion wirken mutig, fast schreien sie einen an – und das tun sie nahezu wirklich, denn weitaufgerissene Münder zieren die Hose in der Ausstellung. Knallige Neonfarben, zerschlissene Jeansstoffe und absichtlich unsaubere Nähte irritieren zunächst, machen aber auch den besonderen Reiz aus. „Die Mode der Frau ist ein Spiel. Sie macht Spaß. Und sie ist farbenfroh“, so die angehende Designerin.

In die Hosenbeine sind Reißverschlüsse eingelassen, die je nach Bedarf mal mehr und mal weniger Körperbetonung und Beinfreiheit zulassen. Die flügelartigen Ärmel sind an die Seiten der grünen Jacke angenäht, aber zu den Schultern hin offen. Indem sie historische Mieder als Vorlagen modifiziert oder auseinandernimmt, entwirft Stella Muriel Müller eine Variante einer „freien Verschleierung“, so dass in der vermeintlichen Enge – unabhängig davon, ob diese modisch, gesellschaftlich, kulturell oder auch religiös begründet ist – eine neue Freiheit entsteht.

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