Foto: Ministère de la Culture (France), Médiathèque de l’architecture et du patrimoine, dist. RMN-GP

Charles Frederick Worth – Leidenschaft für die Kunst

Lange vor Karl Lagerfeld gab es schon im 19. Jahrhundert einen besonders selbstbewussten Modeschöpfer – einen Allmächtigen der Mode, wenn man so will: Charles Frederick Worth (1825-1895). Er gilt als der Vater der Haute Couture, der maßgeschneiderten und daher sehr luxuriösen Mode. Der Unterschied zu den bisherigen Kleidermacher*innen lag vor allem im Arbeitsprozess: Während die Schneider*innen vorher schlicht die Wünsche ihrer Auftraggeber*innen mit bereits ausgewählten Stoffen ausführten, wurde ein Kleid nun von einer einzigen Person entworfen UND produziert. Jetzt verband man Stil und Kreativität mit dem Modeschöpfer, nicht mehr nur mit der Trägerin des Kleides.

Bevor Worth nach Paris kam und dort in der Rue de la Paix ein Modehaus eröffnete, lebte der gebürtige Engländer in London. Dort verbrachte er seine Sonntage in der National Gallery, zeichnete die prachtvollen Gewänder auf den Gemälden der Alten Meister nach und prägte sich die Ornamente und Farben genau ein. Für seine eigenen Kleider verwendete er später nur die kostbarsten Materialien. Seine Vorliebe für italienische und niederländische Meister des 16. und 17. Jahrhunderts behielt er bei, als er 1845 in die französische Hauptstadt zog. Auch hier bestanden seine Sonntage aus Museumsbesuchen.

Wie viele Maler*innen der Romantik betonte auch Worth, er brauche die Inspiration, um seine Kleider zu erschaffen. 1877 beauftragte er die Seidenmanufaktur Tassinari & Chatel einen Stoff mit einem Augen-und-Ohren-Muster herzustellen. Dieses war vom berühmten Rainbow-Portrait Elizabeth I. inspiriert, die dieses Muster auf ihrem Mantel trägt. Was seltsam anmutet, war zur Zeit Elizabeths I. ein Symbol für Macht – alles sehen, alles hören!

Die Leidenschaft zur Kunst machte sich auch im Anwesen von Worth bemerkbar. Ähnlich wie einige erfolgreiche Maler*innen dieser Zeit stattete er sein Haus mit Antiquitäten aus und gestaltete es so zu einer Mischung aus Museum und Kunstkabinett. Da liegt es nur nahe, dass Worth auch seine eigenen Entwürfe zum Status eines Kunstwerks erhob, oder?

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

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