Hervorgehoben

Kunst und Mode. Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle – Der Blog

Kunst und Mode begegnen uns täglich, wenn wir es auch nicht zwangsläufig bewusst wahrnehmen. Das fängt bei der Auswahl der eigenen Kleidung am Morgen an, geht über die Inhalte auf Instagram, die wir gefühlt ständig konsumieren, über den Schulunterricht, bis hin zu unseren Lieblings-Netflixserien, in denen Kunst und Mode immer auch irgendwie eine Rolle spielen. 

Die Ausstellung K&M – Kunst und Mode. Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle zeigt nicht nur, wie lange Mode auch in der Kunst schon ein Thema ist, sondern auch, wie aktuell die in der Kunst des 19. Jahrhunderts dargestellte Mode noch heute ist. Das verdeutlichen Mode-Studierende der Hochschule Pforzheim. Die haben anhand der Werke aus der Sammlung der Kunsthalle eigene Kleidungsstücke entworfen. Diese Kreationen werfen auch ein anderes Licht auf die Mode auf den Gemälden und verdeutlichen u.a. wie die damalige Art der Mode einschränkte.

Wir, die Ausstellungsmacherinnen von Kunst und Mode, wollen Euch durch den Blog mit hinter die Kulissen der Ausstellung in der Jungen Kunsthalle nehmen, Euch mit random facts unterhalten, Euch auf Themen rund um Kunst und Mode aufmerksam machen und Euch mit DIYs, Upcyclingideen und natürlich mit den modischen Kreationen der Mode-Studierenden der Hochschule Pforzheim inspirieren.

Hier erfahrt Ihr mehr über uns!

Wenn Euch unser Blog gefällt, dann kommt uns auch gerne in der Jungen Kunsthalle besuchen – der Eintritt ist frei!

Modekünstler*innen V

Gewöhnungssache

Das Titelbild zeigt keine Mode von Rei Kawakubo, sondern ist ein Ausschnitt eines Outfits von Julia Schulze (Studentin HS Pforzheim), das in der Ausstellung „Kunst und Mode“ in der Jungen Kunsthalle zu sehen ist.

Die Modewelt der 1980er war stark geprägt von Größen wie Thierry Mugler oder Azzedine Alaïa. Schrille Farben und hautenge Stoffe sollten die weiblichen Kurven betonen. Kein Wunder also, dass es einen großen Aufschrei gab, als die japanische Designerin Rei Kawakubo (*1942) ihre ersten Kollektionen auf den Pariser Laufstegen präsentierte. Denn die Entwürfe ihres Labels comme des garçons waren alles andere als sexy und bunt. Die schwarzen, zerlöcherten und zerschlissenen Gewänder asoziierten die Modejournalist*innen mit der Atombombenexplosion in Hiroshima. Zusammen mit ihren anderen japanischen Designer-Kollegen, Issey Miyake und Yohji Yamamoto, prägte Kawakubo eine ganz eigene, der europäischen Mode fremde Formensprache. Die Presse tat sich zunächst schwer damit.

Genau das erinnert an ein ähnliches Phänomen in der Kunstwelt etwa 100 Jahre zuvor: Konservative Kritiker*innen bemängelten um 1875 die Malerei der Impressionist*innen, die sich unter anderem an Kompositionsmitteln aus der japanischen Kunst orientiert hatten. Bei den Gemälden wurden ganz ähnliche Aspekte wie später bei den Kleidern von Rei Kawakubo moniert: So zum Beispiel die Asymmetrie und das scheinbar Unfertige. Aber Kawakubo hörte nicht auf, die Ästhetik der Mode zu revolutionieren.

Legendär ist bis heute ihre Frühling/Sommer-Kollektion 1997 mit dem Titel „Body meets dress, dress meets body“. Hier polsterte sie den Körper der Models an willkürlichen Stellen aus und schuf so künstliche, buckelige Deformationen, die zunächst als hässlich wahrgenommen wurden. Damit stellte sie sich bewusst gegen die gewohnten Körper-Proportionen, die die weibliche Kleidung dominierte. Auch in aktuelleren Kollektionen verweigert sie sich dem westlichen, klassischen Schönheitsideal und erschafft so skulptural anmutende Kleidungsstücke.

Einen guten Überblick über Kawakubos Werke sieht man in diesem kurzen Video.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema.

Was man über Fast Fashion wissen sollte

Der Greenpeace Fast Fashion Report offenbart Folgendes:

Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa und den USA möchten immer häufiger neue und günstigere Kleidung haben.
Jedes Jahr werden weltweit bis zu 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert – und ebenso viel produzierte Kleidung landet wieder im Müll und wird vernichtet, weil sie entweder nicht verkauft wurde oder angeschmutzt ist oder nur einen kleinen Fehler aufweist.
Rechnet man das um, könnte jeder Mensch auf der Welt circa 10 neue Kleidungsstücke im Jahr kaufen!
Durchschnittlich kauft tatsächlich jede*r Deutsche rund 60 neue Kleidungsstücke im Jahr.
Bis zu 40% unserer Kleidung tragen wir selten oder nie.
Früher gab es 4 Modekollektionen jährlich entsprechend der Jahreszeit.
Heute bringen die Unternehmen bis zu 12 Kollektionen im Jahr in die Läden.

Die Zahlen sind dem Greenpeace Fast Fashion Report entnommen, in dem das Thema ausführlich beleuchtet wird.

Frozen in time – shifting away

Was mich an dem Bild fasziniert, ist der Fakt, dass wir heute seine ursprüngliche Intention, seinen Kontext nur erraten können“, so Ruben, „es hat sich die letzten 130 Jahre durch die Zeit bewegt, während es oberflächlich aufgrund seiner abbildenden, aufzeichnenden Natur gleich geblieben ist.“

Gemälde sind, wie Mode auch, ein Zeugnis ihrer Zeit. Betrachter*innen werden heute vielleicht andere Dinge auf ihnen entdecken und sie anders wahrnehmen und interpretieren als damals. Weil die Zeit niemals still steht, wird es immer eine gewisse Kluft geben zwischen den Realitäten damals und heute. „Wie sehr wir auch versuchen, den Ursprung des Mädchenbildnisses  von Albert Lang nachzuvollziehen, es bleibt immer ein Riss, ein Spalt der Verschiebung zwischen der Frau im Bild und der Frau, wie wir sie heute sehen“, erklärt Ruben.

Einblick in die Ausstellung: Nach dem Zerlegen zu einem neuen Ganzen

Der Ansatz seiner Kollektion konzentriert sich deshalb auf diese Verschiebung zwischen der scheinbar unvergänglichen,  abgebildeten Frau und der ständig wechselnden Realität der Zeit. Was bedeutet es, in der Zeit gefroren zu sein und wie zeigt sich dieser Zustand? Dazu wurden ausgewählte historische Kleidungsstücke umgearbeitet, zerlegt, neu zusammengesetzt und ihre Volumen verschoben. So entsteht ein Bruch zwischen der einstigen Form und dem neuen Outfit.

Detailansicht des Ärmels

Besonders interessant: Ruben experimentierte für die Kollektion mit verschiedenen Falttechniken und Oberflächen. Stoffe werden beispielsweise mit einem Firnis überzogen, gefaltet und gehärtet. Das Gegeneinander verschiedener Oberflächen verleiht dem Outfit einen vielseitigen Charakter –  wie dem Mädchen auf dem Bild.

Modekünstler*innen IV

Freiheit und Ästhetik

Die Mode des späten 19. Jahrhundert war geprägt von einer künstlichen Silhouette, die durch das eng geschnürte Korsett die Weiblichkeit betonen sollte, dabei aber den Körper ungesund deformierte. Nicht nur Ärzt*innen und Frauenvereine begannen deshalb um die Jahrhundertwende den Kampf gegen die aus Paris diktierte Mode. Auch einige Künstler*innen lieferten wertvolle Ideen zu einer neuen Mode, die sie – ganz im Sinne der Arts-and-Craft- und der Jugendstilbewegung – zum Kunsthandwerk zählten. Das sogenannte Reformkleid war geboren. Obwohl es nie um Männerkleidung ging, engagierten sich allen voran männliche Künstler wie der Belgier Henry van de Velde für die neue Frauentracht. Diese fiel ganz ohne Einengung lose herab und war gerade wegen dieses „sackartigen“ Schnitts bei vielen traditionellen Großbürgerinnen verpönt.

Nach und nach leisteten auch weibliche Pionierinnen, häufig die Ehefrauen der Künstler, wertvolle Aufklärungsarbeit. Am bekanntesten ist bis heute wohl Emilie Flöge, die mit ihren Schwestern in Wien einen Salon unterhielt und langjährige Lebensgefährtin Gustav Klimts war. Die Forderung von Anna Muthesius, jede Frau solle ihr eigener Künstler werden, blieb zunächst reine Theorie. Die Anpassung an den tatsächlichen Markt vollzog sich mühselig.

Japanischer Mantel von Emmy Schoch, 1911 © Badisches Landesmuseum

In Karlsruhe eröffnete Emmy Schoch (1881-1968) nach einer Ausbildung in Berlin 1906 ihre „Werkstätte für moderne Frauenkleidung“ in der Herrenstraße. Ihre Entwürfe richteten sich nach der jeweiligen Individualität und sollten auch weniger wohlhabende, selbstschneidernde Frauen ansprechen. Schoch unternahm zahlreiche Vortragsreisen durch deutsche Städte und zeigte in diesem Zuge ihre neuesten Kreationen. Von vielen Zeitungen als wahre Künstlerin gefeiert, ist sie heute neben französischen Kollegen wie Poiret oder Chanel allerdings vergessen. Ihren exotischen Mantel im Japan-Look, der 1911 auf der Ausstellung im Dresdner Hygienemuseum gezeigt wurde, kann man heute im Badischen Landesmuseum bestaunen.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema

Interview mit Jan Hartmann

Was steckt hinter deinem Design? Wie ist dein Interpretationsansatz?
Mein Interpretationsansatz ist, dass die Frau sozusagen mit ihren Rechten mit der heutigen konfrontiert wird und dann aggressives Verhalten an den Tag legt.

Wie bist du zu zum Modestudium gekommen?
Für Mode interessiert habe ich mich schon immer und es ging so weit, dass ich mich dann auch vor meinen Eltern getraut habe, diesen Wunsch zu äußern. Meine Mama hat mir dann geholfen, einen Platz an der Modeschule zu finden.  Nach der Ausbildung zum Modedesigner dachte ich mir, dass ich das Ganze noch vertiefen will. Dann habe ich mich für Pforzheim entschieden, da mich der künstlerische Schwerpunkt am meisten überzeugt hat.

Weißt du schon, was nach dem Studium kommt?
Ich bin offen für alles. Ich muss auch nicht unbedingt in die Mode gehen, es gibt so viele Richtungen, so viele Arten von kreativen Arbeitsplätzen, die mit Gestaltung zu tun haben. Dinge wie Einrichtung interessieren mich auch. Ich sehe das einfach als Weg. Wo ich mich gerade sehe ist in der Mode aber in Zukunft … weiß ich nicht genau.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Outfit?
Je nachdem, um welche Kollektion es sich handelt. Bei dieser war es so, dass ich schon beim Midterm ein Outfit fertig hatte. Das kann man schlecht pauschalisieren und ist jedes Mal individuell.

Gibt es für dich ein Best/Worst am Modestudium?
Es ist einfach meine Leidenschaft, genau das will ich machen. Man hat viel dafür gearbeitet, dort studieren zu können. Natürlich gibt es Theoriestunden, die man vielleicht nicht so mag aber die sind ja auch sinnvoll und es gehört dazu, auch das zu lernen. Klar, der Zeitdruck ist krass, aber das wird als fertig Studierter auch nicht besser.  Fazit: es gibt kein Worst.

Hast du Tipps für am Modestudium Interessierte?
Wenn du keine Hobbys mehr haben möchtest und Nächte durchmachen willst … Wenn du Stress aushältst und Leidenschaft, Gefühl und Fleiß reinsteckst, dann klappt das schon.

Was ist deine Inspiration? Und hast du eine Modeikone?
Ich versuche so weit wie möglich, diese Einflüsse fernzuhalten. Durch meine Ausbildung habe ich schon gewisse Formen im Kopf und gewisse klassische Teile und möchte mich eigentlich nicht weiter von Mode in meinem Arbeitsprozess beeinflussen lassen. Ich nutze bei Boards oder Skizzen auch nie Modebilder von anderen Designer*innen. Ich arbeite mehr über Stimmungen und Emotionalität. Oft versuche ich auch, das mit passender Musik zu unterstützen und finde so die Formen.

Warum hast du dich für dieses Werk entschieden?
Ich habe das Mädchenbildnis gewählt, da es hat mich von der Stimmung und von den Farben her einfach angesprochen hat.  Es geschieht eigentlich gar nicht so viel auf dem Bild aber trotzdem hat es so eine Ausdruckskraft.

Wo kaufst du die Stoffe? Und wieso hast du diese Stoff-/Farbauswahl getroffen?
Ich kaufe meine Stoffe teils im Stoffladen und teils im Internet. Da ich schon relativ früh wusste, was ich wollte, hatte ich Zeit, die Stoffe im Internet zu bestellen, die ich dann auch verwendet habe. Die Stoffe die ich im Laden kaufe, kaufe ich immer sehr kurzfristig, die werden dann auch kurzfristig in die Kollektion noch mit einfließen.  Ich habe mich für die kontrastreichen Farben entschieden, da die Person auffallen möchte und das habe ich dann durch colour-blocking und sehr grafische Elemente umgesetzt.

Hattest du schon einmal eine „Krise“?
Kommt darauf an, wie man Krise definiert. Dass ich einen kompletten Stillstand hatte, gab es bei mir noch nicht. Im 4. Semester war es bei mir so, dass ich etwas an meinem Stil verändern sollte und dann hab ich an einem Wochenende alles umgeschmissen, weil ich das ganze Semester etwas falsch gemacht habe. Ich habe einfach weitergemacht und bin nicht daran verzweifelt, da ich wusste, dass der Punkt kommen wird, an dem es sich ändert und somit habe ich das nicht als Krise empfunden.

Was an deinem Outfit war am aufwändigsten?
Ich fand bei mir die beiden Oberteile wegen der Schnitttechnik am aufwändigsten, kann aber auch nicht sagen, welches aufwändiger war. Das eine hat jeden Zentimeter Absteppungen im Ärmel und das andere Oberteil hat dafür über 60 Schnittteile und auch Absteppungen.

Was gefällt dir am besten an deiner Kollektion? Worauf bist du stolz?
Ich habe zum Beispiel kein Lieblingsteil oder so, für mich sind es einfach der Gesamtlook und die Kombinationsmöglichkeiten, die mir gefallen. Dass ich zum Beispiel die Accessoires einfach kombinieren kann und es trotzdem passt. Stolz bin ich darauf, dass ich die Zeit hatte, lange daran herum zu feilen, die andere nicht hatten. Auchkonnte ich winzige Kleinigkeiten ändern, wie zum Beispiel Nähte um Millimeter versetzen, die es nochmal auf den Punkt gebracht haben.

War es schwer, sich an „alten Bildern/altertümlicher Mode“ zu orientieren und diese in einen modernen Kontext zu setzen?
Nein, es ist nur ein Hilfsmittel, das dir bei der Entwicklung der Kollektion dient. Man zerschneidet das Bild in 1000 Teile und nimmt sozusagen das 999ste Stück davon und nutzt das für die Kollektion.

Dein Berufswunsch?
Modedesigner.

Das Stoff-ABC

Baumwolle
Das Gewebe besteht aus pflanzlichen Naturfasern, der Zellulose, die aus der Fruchtkapsel der Baumwollpflanze gewonnen wird. Baumwolle ist ein leichtes und weiches Material, das reißfest und sehr robust ist. Sie ist außerdem luftdurchlässig und gibt überschüssige Wärme nach außen ab.

Chiffon
Hierbei handelt es sich um sehr feines und durchscheinendes Gewebe, dass aus Natur- oder Kunstseide Kreppgarnen hergestellt wird. Chiffon hat eine unregelmäßige Oberfläche und fühlt sich etwas sandig an.

Denim
Denim ist ein robuster Baumwollstoff und wird zur Herstellung von Jeans und weiteren Kleidungsstücken verwendet. Traditionell ist Denim blau, wird aber auch durch Waschungen und Abreibungen verändert, so entstehen der Used-Look und Stone-Washed Look. Heute werden Denim Polyester oder Elasthan beigemischt, um die Kleidung dehnbarer zu machen und Einlaufen in der Waschmaschine vorzubeugen.

Jersey
Jersey-Stoffe werden häufig aus Mischfasern hergestellt. Dabei werden verschiedene Viskosemischungen, Baumwolle oder Wolle zusammengefügt. Jersey ist elastisch, atmungsaktiv und weich, daher wird er oft für T-Shirts, Unterwäsche und Bettbezüge verwendet.

Kunstleder
Bei Kunstleder handelt es sich um ein Lederimitat, bei dem ein textiler Grundträger mit Kunststoffen beschichtet wird. Oft wird auf die Oberfläche geprägt, um echtes Leder nachzuahmen. Da Kunstleder Kunststoffe enthält, ist es nicht gut für die Umwelt.

Leder
Leder ist ein vielseitig einsetzbares, robustes Material, das aus chemisch gegerbter Tierhaut besteht. Es gibt verschiedenste Arten von Leder, abhängig von dem Tier, von dem es stammt, wie zum Beispiel Rindsleder, Schweineleder, Ziegenleder oder Krokodilleder. Nachhaltig und tierfreundlich ist Leder nicht, da Tiere deshalb sterben müssen und Chemikalien zum Gerben verwendet werden.

Leinen
Leinen ist eine pflanzliche Naturfaser, die zu 70 Prozent aus Zellulose und aus Pflanzenleim und Wachsen besteht. Es wirkt kühlend, ist atmungsaktiv und hautsympathisch. Leinenstoff ist sehr lange haltbar, da er sehr robust ist und schmutzunempfindlich ist.

Neopren
Bei diesem Material handelt es sich um eine synthetische Verbindung aus Chloropren-Kautschuk, der in den 1930er Jahren entwickelt wurde. Das Material enthält kleine Gasbläschen, die sehr gut isolieren. Deshalb ist Neopren sehr beliebt beim Wassersport, da er warmhält und dennoch elastisch bleibt.

Polyester
Hierbei handelt es sich um einen synthetisch hergestellten Stoff, dessen Grundbaustoffe aus Steinkohle, Kalk, Erdöl und Erdgas bestehen. Polyesterfasern sind um das Dreifache feiner als Seide und können verschiedene Eigenschaften anderer Stoffe annehmen, sind also sehr gut formbar. Häufig wird Polyester auch mit Baumwoll- oder Wollfasern vermischt, sodass ein robustes und zugleich flexibles Gewebe entsteht.

Satin
Satin kann aus Polyester, Baumwolle oder Seide hergestellt werden und wird durch die besondere Webart, die Atlasbindung, sehr glatt und glänzend.

Seide
Seide wird aus dem Kokon der Seidenraupe, der Larve des Seidenspinners, gefertigt und ist daher ein tierischer Faserstoff. Seide kommt ursprünglich aus China und wurde über die Seidenstraße nach Europa gebracht. Heute gehören neben China auch Indien und Japan zu den wichtigsten Erzeugerländern. Seide wirkt thermoregulierend, sie wärmt bei Kälte und kühlt bei Hitze.

Spitze
Unter dem Begriff Spitze werden dekorative Elemente, die aus Garn oder Stoff gefertigt sind, zusammengefasst. Das Besondere daran sind die beabsichtigten Löcher, die verschiedene Muster ergeben können. Es gibt unterschiedliche Arten von Spitze, wie zum Beispiel die Lochspitze, Tüllspitze oder Häkelspitze.

Tüll
Ein lockeres, netzartiges Gewebe, dass entweder aus Baumwolle, Seide oder Chemiefasern gemacht wird. Tüll ist halbdurchsichtig und wird gerne für Gardinen, Unterwäsche oder feine Kleidungsstücke verwendet. Der Begriff Tüll leitet sich von der französischen Stadt Tulle ab, die im 19. Jahrhundert für das Gewebe bekannt wurde.

Viskose
Bei Viskose handelt es sich um Chemiefasern, die aus dem natürlichen Grundstoff Zellulose bestehen. Diese wird aus Holzarten wie Kiefer oder Buche gewonnen. Viskose wird auch als Kunstseide bezeichnet.

Wolle
Wolle ist eine tierische Naturfaser und wird durch das Unterhaar von Schafen, aber auch Kamelen, Ziegen und Kaninchen, gefertigt. Die Wollfaser ist wärmeisolierend und sehr weich.

Was man beim Kauf einer Jeans bedenken sollte …

In Deutschland werden pro Person durchschnittlich 1,5 Jeans im Jahr, in den USA sogar durchschnittlich 4 Jeans im Jahr gekauft. Dabei ist die Herstellung einer Jeans mehr als umweltbelastend, denn sie verbraucht überdurchschnittlich viel Wasser und verunreinigt dieses im Übermaß:

Ein bekannter amerikanischer Jeans-Hersteller ließ ermitteln, dass bei der Herstellung einer Jeans im Schnitt 3500 Liter Wasser und 111 Kilowattstunden Energie verbraucht und dabei 32 Kilogramm Kohlendioxid frei werden.

Hinzu kommt noch die Behandlung mit Chemikalien des Stonewashed-Verfahrens wie dem hochgiftigen Kaliumpermanganat oder das Schmirgeln des Stoffes, um einen Distressed Look zu erzeugen. Die Jeans wird also erst unter hohem Energie- und Ressourcenverbrauch hergestellt, um dann gezielt wieder für den Verkauf zerstört zu werden. Es entsteht der Used Look – und für den zahlt der Verbraucher (Quelle: Michael Kubitza, Der hohe Preis der billligen Klamotten, 2012).

Das sollte zu denken geben, denn es geht auch anders, wie umweltbewusste Unternehmen zeigen. Es gibt zertifizierte Siegel, die diese bestätigen. Meist befinden sich diese Siegel direkt am Etikett.

Die vom Bundesentwicklungsministerium ins Leben gerufene App Siegelklarheit kann kostenlos heruntergeladen werden und hilft weiter.

Modekünstler*innen III

Abbildung: © Virginia Museum of Fine Arts

Teamwork

Dass Akteur*innen aus Kunst und Mode sich gegenseitig unter die Arme greifen, zeigen schon Beispiele aus dem frühen 20. Jahrhundert: Da wäre zum Beispiel Paul Poiret (1849-1944), der übrigens schon vor Coco Chanel die Frauen aus dem Korsett befreite und sich Marketingmaßnahmen im großen Stil ausdachte. Während Designer*innen ihre Teile heute durch groß angelegte Fotoshootings oder TV-Spots in Umlauf bringen, hatte Poiret damals eher begrenzte Möglichkeiten. Werbung machen konnte er aber trotzdem! Der Modeschöpfer arbeitete mit bekannten Illustratoren zusammen, um exklusiven Kunden seine orientalisch anmutenden Entwürfe in farbigen Grafikmappen zu präsentieren. Künstler wie Paul Iribe oder George Lepape erdachten sich darin für die Models und Kleider passende Kulissen, ähnlich wie man es heute aus modernen Magazinen kennt. Von Künstlern wie Raoul Dufy ließ er außerdem bunte, geometrische Muster für seine Stoffe entwerfen.

Auch die Italienerin Elsa Schiaparelli (1890-1973), die – bekannt als wilde und schrille Persönlichkeit – zur größten Konkurrentin von Chanel werden sollte, kollaborierte mit Künstlern. Durch die Freundschaft zu Francis Picabias Frau verkehrte sie schon früh in Künstlerkreisen, machte Bekanntschaft mit Pablo Picasso, Jean Cocteau und Salvator Dalí und gehörte schnell selbst zur „Avantgarde-Elite“. Was sie verband, war das Experimentieren mit surrealistischen Motiven wie dem berühmten Hummer – nur eben auf verschiedenen Materialien. Mithilfe von Dalí und Cocteau überführte Schiaparelli illusionistische Effekte auf ihre Entwürfe. So entstanden außergewöhnliche Haute-Couture-Stücke wie ein Hut in Form eines Schuhs, eine Halskette aus Käfern oder ein Kleid mit Schubladen als Taschen.

Auch heute noch konzipieren große Modehäuser ihre Kollektionen gemeinsam mit zeitgenössischen, bekannten Künstler*innen, um in limitierten Editionen die Idee des Luxus zu demonstrieren. So entstehen Projekte wie die Arbeiten von Takashi Murakami für Louis Vuitton (2003) oder Tim Roeloffs‘ Fotomontagen auf Versace-Kleidern (2008). Solche Sonderkollektionen sind einerseits klar auf Profit ausgerichtet, in einem Nebeneffekt verschaffen sie andererseits einem breiten Publikum den Zugang zu moderner Kunst.

Aliena Guggenberger studierte Kunst- und Kulturgeschichte in Augsburg und Heidelberg. Schon vor ihrem Studium befasste sie sich mit den Parallelen zwischen Mode und Kunst. Momentan lebt sie in Karlsruhe und plant ihre Dissertation – ebenfalls zu einem Modethema. Für die Ausstellung „K&M – Kunst und Mode“ schreibt sie alle zwei Wochen einen spannenden Beitrag zur Verbindung von Kunst und Mode.

Girl power im Modedesign gesucht – Männer dominieren die Branche

Foto: © Nachlass Madame d’Ora, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Mit dem Tod von Karl Lagerfeld musste die Chefdesignstelle bei Chanel neu besetzt werden. Virginie Viard, Lagerfelds langjährige ‚rechte Hand‘ wird in Zukunft die Kollektionen des französischen Modehauses entwerfen. Sie ist die erste Frau, die diese Position innehat, seit Coco Chanel selbst!

Wenn man darüber nachdenkt, ist es durchaus auffällig, dass die Chefs der ganz großen Modelabels fast immer Männer sind. (Yves Saint Laurent, Giorgio Armani,..) Aber woran liegt es, dass Männer die Modebranche dominieren? Gibt es einfach mehr männliche Designer? Oder sind Männer tatsächlich talentierter in diesem Feld? Das ist natürlich Quatsch! Nicht nur Designerinnen wie Jil Sander, Vivienne Westwood, Miuccia Prada & Co beweisen das Gegenteil.

Früher jedoch war es eher selten, dass auch Frauen in der Modebranche durchgestartet sind. Jobs wurden zu der Zeit den Männern überlassen. Coco Chanel war eine der wenigen frühen Designerinnen, die sich in dieser Szene durchsetzen konnte.

Die Rolle der Frau hat sich natürlich im Vergleich zu früher extrem verändert, doch es scheint, als würden die alten Strukturen noch immer die heutige Modewelt prägen.

Das heißt aber keineswegs, dass kein Wandel in Sicht ist – Virginie Viard und viele weitere starke Frauenpersönlichkeiten zeigen, dass auch sie für viel Aufruhr in der Modewelt sorgen können. #gogirls

Interview mit Jenny Nguyen

Was steckt hinter deinem Design? Wie ist dein Interpretationsansatz?
Es ging für mich darum, dass die Frau im Gemälde in die heutige Zeit wandert und aus dem Rahmen springt. Das war der Ausgangspunkt für die Form der Kollektion, die Bewegung von der Frau die im Bild inszeniert ist und herausspringt.

Wie bist du zu zum Modestudium gekommen?
Bei mir war das Interesse an Mode schon immer da. Ich habe mich nach dem Abi informiert, wo man Mode studieren kann, bin am Infotag nach Pforzheim und habe mich anschließend mit Mappe beworben und wurde angenommen. Vorher habe ich ein Praktikum in der Kostümabteilung und im Fundus im Heidelberger Theater gemacht.

Weißt du schon, was nach dem Studium kommt?
Nach dem Studium? Keine Ahnung, um ehrlich zu sein. Wahrscheinliche erstmal bei verschiedenen Labels bewerben. Ich denke nach dem Praxissemester, bei dem wir Einblicke in die Industrie bekommen, wird sich eher zeigen, wo es nach dem Bachelor hingehen wird. Aber es wäre schon cool, erstmal zu arbeiten, das Ganze kennenzulernen und eventuell,  wenn es irgendwie klappt, sich irgendwann selbstständig zu machen.

Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Outfit?
Zum Zeitaufwand: Es ist bei uns immer so, dass wir am Anfang unsere Konzepte und Moodboards erarbeiten müssen. Das läuft von Person zu Person anders. Manche gehen gleich zu 3D Entwürfen, manche machen erst einmal Mappings in 2D. Bei mir war es im 3. Semester so, dass ich immer mal wieder Prototypen mitgenommen habe und in 3D verbessert habe. Ich glaube es waren drei bis vier Wochen vor Abgabe, da standen schon die Outfits fest. Dann wurde diese in den Originalstoff umgewandelt und Kleinigkeiten verändert. Also je nachdem, ob du auch noch Materialmanipulation machst und die Stoffe veränderst, dauert das natürlich länger oder kürzer. Man kann nicht pauschal sagen, wie lange eine Kollektion dauert. Aber man kann sich sicher sein, dass wir von der erste Woche an Vollgas geben müssen. Das unterscheidet sich von anderen theorielastigen Studiengängen, bei denen man erst vor den Prüfungen Stress hat. Wir haben jede Woche Projektbesprechungen und Abgaben. Wir sind also eigentlich im Dauerstress.

Gibt es für dich ein Best/Worst am Modestudium?
Best: Einfach, dass man das machen kann, was man will. Ich glaube alle, die bei uns Mode studieren machen das, weil es ihre Leidenschaft ist und man so viele Freiheiten hat, da sehr viel Wert auf das Künstlerische gelegt wird. Es ist das, was uns Spaß macht und wo wir uns ausleben können.
Worst: Da es genau das ist, was ich machen will, sehe ich daran nichts Negatives. Auch wenn es stressig ist und ich Nächte durchmache, mache ich es trotzdem gerne. Man muss ja auch erstmal die Eignungsprüfung bestehen und die Leute, die dann bei uns studieren sind auch aus gutem Grund da und haben auch den nötigen Ehrgeiz und nehmen das in Kauf.

Hast du Tipps für am Modestudium Interessierte?
EINFACH MACHEN (wenn du bereit bist dein Leben aufzugeben :D) Die Priorität ist bei uns allen nicht, dass wir viel Geld mit Mode machen wollen.  Also keine großen Zweifel haben, auch wenn du nicht gut nähen kannst oder so. Und an die, die nicht wissen, ob sie das studieren wollen: Macht Praktika und geht zu Infotagen und redet am besten direkt mit Studierenden, dann bekommt man einen besseren Einblick.

Was ist deine Inspiration? Und hast du eine Modeikone?
Hab ich nicht. Vor dem Modestudium hatte man schon klischeehafte Modeikonen aber seit ich hier studiere merke ich, dass man sich nicht von anderen Designs beeinflussen lassen sollte, da du etwas Neues machen musst, um auch deinen eigenen Stil zu entwickeln. Inspirationen sind für mich meine eigenen Gedanken und Gefühle. Es ist einfach ein Lebensgefühl, das man ausdrücken möchte. Wir arbeiten ja auch mit Persona Boards und ich arbeite sehr stark mit dem Gefühl der Person, die ich entwerfe. Man kann sich von allem inspirieren lassen, man kann es mit allen Eindrücken so weit treiben, bis man eine Kollektion hat.

Warum hast du dich für dieses Werk entschieden?
Ich habe ja die Alberta von Freydorf gewählt.  Als wir zu euch zur ersten Besichtigung gegangen sind, war es das erste Gemälde, das ich gesehen habe und auch das größte. Ich hab mich eigentlich sehr spontan dafür entschieden, weil es mich interessiert hat, wer die Frau eigentlich ist, was für einen Beruf sie hat… Und wie schon gesagt spielt bei mir die Persona eine sehr große Rolle und deswegen habe ich sie in die Gegenwart umgewandelt. Vor allem weil sie alleine auf dem Bild ist und auch diese klassische Korsage und riesige Kleid anhat, da wollte ich einfach was Neues draus machen.

Wo kaufst du die Stoffe? Und wieso hast du diese Stoff-/Farbauswahl getroffen?
Ich bin jemand, der die Stoffe gerne im Laden kauft, da ich sie gerne anfassen und sie live sehen möchte. Online gibt es natürlich viel mehr Auswahl und man kann sich auch Proben zuschicken lassen, aber das ist für mich einfach nicht schnell genug. Ich brauche die Stoffe immer direkt, damit ich sofort weiter arbeiten kann.
Die Kollektion war ja ziemlich bunt und ich bin normalerweise jemand, die sehr neutrale Töne wählt. Im 2. Semester war es zum Beispiel viel beige und ruhige Töne, die sehr neutral sind. Ich hatte im 3. Semester, bei dem der Fokus auch auf Form und Extravaganz lag, einfach Lust auf eine bunte Kollektion, die mir Spaß macht und bei der man nicht sofort denkt: Ah, das ist Jennys Design.

Hattest du schon einmal eine „Krise“?
Ja schon öfter. Wir haben alle immer mal wieder Krisen, das gehört auch zum Stress mit dazu, weil man jede Woche abliefern muss. Und man kann auch nicht immer unter Druck kreativ sein. Ich glaube es liegt auch daran, dass wir neben der Kollektion noch viele andere Fächer haben und dann zum Beispiel noch Referate oder Fotografieprojekte parallel machen müssen.  Ich will dann auch nicht das Hauptprojekt vernachlässigen und das ist dann meistens die Krise. Aber wie unsere Professorin Frau Klose immer sagt: Wer ohne Krise studiert, studiert nicht richtig.

Was an deinem Outfit war am aufwändigsten?
Am aufwändigsten waren meine Ärmel, die man über die Jacke gezogen hat. Die waren aufwändig zu nähen aber an sich ist es das alles. Wenn ich darüber nachdenke, wofür ich am längsten gebraucht habe, war das wahrscheinlich die Jacke, da der gelbe „Badeanzugstoff“ unheimlich nervig zu verarbeiten war.

Was gefällt dir am besten an deiner Kollektion? Worauf bist du stolz?
Mir gefällt rückblickend im Vergleich zu den vorherigen Semestern, dass ich über die Form und Schnitttechnik mehr gelernt habe. Man ist nie komplett zufrieden, ich würde jetzt auch Dinge anders machen. Ich bin stolz darauf, dass ich die Farben verwendet habe und es funktioniert hat. Da hatte ich übrigens auch eine Krise bei der Farbzusammenstellung.
Auf die Rückenansicht der Kleider bin ich auch stolz. Man neigt oft dazu, darauf zu achten, dass das Outfit von vorne gut aussieht aber bei mir ist der Fokus teilweise eher hinten.

War es schwer, sich an „alten Bildern/altertümlicher Mode“ zu orientieren und diese in einen modernen Kontext zu setzen?
Nein, du kannst dich wie gesagt von allem inspirieren lassen.  Du darfst dich nur nicht zu sehr beeinflussen lassen. Man muss seinem Stil treu bleiben und nicht einfach eine Korsage machen, weil die Frau auf dem Bild eine trägt.

Dein Berufswunsch?
Modedesignerin.